Projektidee
Viel zu wenige Ausbildungsplätze stehen für Haupt- und Realschüler zur Verfügung. Gleichzeitig werden vorhandene Ausbildungsplätze nicht besetzt, da die Bewerber laut Aussagen von Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistern nicht das nötige Rüstzeug mitbringen. Neben schulischen Leistungen sind zunehmend Auftreten, soziale Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit gefragt.

Mit dem Projekt “Von Standby auf Aktiv – Die Bewegte Bewerbung” werden Bewerbungstraining und der Erwerb von Sprach-, Sozial- und Medienkompetenz kreativ miteinander verbunden. Mit Unterstützung der Stiftung Medienkompetenz (MKFS) und der Landesanstalt für Kommunikation (LfK) startete die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Baden-Württemberg Ende 2006 das Projekt “Von Standby auf Aktiv – das andere Bewerbungstraining”.
Durch Spenden der Kinderhilfsaktion des SWR “Herzenssache”konnte das erfolgreiche Projekt im Jahr 2011 an 16 Schulen durchgeführt werden. Im Zeitraum von fünf Jahren war das LKJ-Team in 75 Schulen (54 Hauptschulen, 14 Realschulen, 1 Förderschule, 6 BfZ-Einrichtung) des Landes zu Gast. Bislang entstanden ca.720 individuelle Bewerbungsclips. Nachfrage und Resonanz sind beeindruckend.
“Von Standby auf Aktiv – Die Bewegte Bewerbung” richtet sich an Schüler der 8. Klasse Hauptschule und 9. Klasse Realschule. Das Projekt unterstützt Jugendliche beim Start in den Beruf. Im Rahmen von zweieinhalbtägigen Workshops produzieren Schüler zusammen mit einem Theaterpädagogen oder Kommunikationstrainer und einem Filmemacher einen Bewerbungsclip, den sie später als Teil ihrer Bewerbungsunterlagen nutzen können. Dass externe Profis in die Schule kommen, wirkt motivierend auf die Schüler und ist, wie die bisherigen Erfahrungen zeigen, ein zentraler Aspekt dieser Arbeit. Die Jugendlichen spüren die handwerkliche Kompetenz und akzeptieren die darauf beruhende Sachautorität.
Der Bewerbungsclip funktioniert auf zwei Ebenen
Nach außen: Das Video kann die Chancen auf einen Arbeitsplatz erhöhen. Wenn die Jugendlichen ihre Bewerbungsunterlagen mit dem Video versehen, ist das eine besondere Form der Bewerbung und der Arbeitgeber hat gleichzeitig die Möglichkeit, sie noch besser kennen zu lernen. Dadurch heben sie sich von anderen Bewerbern ab.
Nach Innen: Das Training wirkt als intensive Selbsterfahrung: Es wird der Ernstfall des Vorstellungsgesprächs vor der Kamera geprobt. Die Jugendlichen müssen sich also gezielt mit ihren Interessen, Stärken und Schwächen auseinandersetzen, ihr gesamtes Auftreten überdenken und sich über ihre Wünsche im Klaren sein. Durch den Wechsel von Training, Umsetzung in ein Filmskript und Realisierung erleben die Beteiligten unmittelbar Selbstwirksamkeit. Unsicherheiten und Ängste, vor der Kamera aufzutreten, werden umgeformt in das Erlebnis, vor der Kamera bestehen zu können. Und der Erfolg wir in einem Medienprodukt sichtbar.

Die Resonanz auf das mehrfach ausgezeichnete Modellprojekt (Preis der Kulturstiftung der Länder “Kinder zum Olymp 2007″ und als ein Projekt der Eduard Spranger Schule Reutlingen den Deichmann-Förderpreis 2008) ist sehr positiv. Eltern und Lehrkräfte überrascht die starke Präsenz der Schüler in den Filmclips sowie die Aussagekraft der einzelnen Bewerbungsfilme – ganz abgesehen von der großen Freude und Motivation, mit der alle Beteiligten an den Workshops teilnehmen. Von “Standby auf Aktiv” wirkt und findet Nachahmer: In Rheinland-Pfalz und Hessen wurde das erfolgreiche Projekt der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) unter dem Motto “Die Bewegte Bewerbung” vom Bildungszentrum Bürgermedien e.V. und weiteren Partnern umgesetzt.
Feedback von den Lehrkräften
Hr. Hochgreve, Schulleiter: „Zunehmend müssen wir uns auf der Hauptschule immer mehr mit Schülern aus komplexen und nicht so geradlinigen Verhältnissen und Hintergründen auseinandersetzen, das verlangt einfach diese, unsere gesellschaftliche Situation an solchen Schulen. Gerade deshalb sind solche Projekte wie das Standby-Projekt wichtiger denn je zuvor und sollten weiterhin gefördert werden.“
Hr. Mierwaldt: „Jetzt sehe ich erst mal, was alles noch in den Schülern steckt, das hatte ich gar nicht gewusst …”
Fr. Zeiler: „Vielen Dank, dass Sie uns die Teilnahme an diesem tollen Projekt ermöglicht haben! Es hat den Schülerinnen und mir großen Spaß bereitet. Es waren drei sehr lehrreiche und interessante, aber natürlich auch anstrengende Tage. Die beiden Profis, Corina Rues-Benz und Jakob Kruczek, haben das Projekt mit großem Engagement, sehr viel Geduld und einer sehr netten Art durchgeführt. Ein großes Lob an das ganze Projekt – eine tolle Sache!“
Film-Dokumentation
Eine weitere Projektdokumentation aus dem Jahr 2009 steht auf Youtube bereit:
Von Standby auf Aktiv
Bewerbungsclip Gabriel
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